Bienenfreundlich essen

Hintergründe zum Insektensterben

Bienen und andere Insekten spielen eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem. Sie bestäuben Pflanzen, von denen sich Menschen und Tiere ernähren. Rund 85 % der Erträge im Pflanzen- und Obstbau in Deutschland hängen von der Bestäubung der Bienen ab. Doch Insekten sind auch eine wichtige Futterquelle für unzählige Tiere aller Art wie Vögel und Igel. Mit dem Aussterben ganzer Arten wird ein "Domino-Effekt" in Gang gesetzt, der immer mehr Arten für immer verschwinden lässt.

Beim Insektensterben nehmen gleichzeitig die Bestände und die Artenvielfalt der Insekten ab. So gibt es heute 75 % weniger Insekten als 1989. Mit dem Rückgang der Wildbienen und anderer Insekten verlieren wir in großem Maßstab mehr und mehr biologische Vielfalt. Hiervon ist zum Beispiel unmittelbar die Vögel betroffen, denn sie finden keine Insekten zum Füttern ihrer Jungvögel mehr. So ist der Bestand an Feldvögeln seit 1965 um etwa 65 % zurückgegangen. Vom Insektensterben ist aber auch die Gruppe der Pflanzen betroffen, die auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen ist.

Hauptgrund für den Rückgang der Artenvielfalt ist der Verlust von Lebensraum mit geeigneter Nahrung und Nistmöglichkeiten. Ein weiterer wichtiger Punkt sind Pestizide und andere Gifte.

Neben Flächenverluste durch Bebauung und Versiegelung ist die industrielle Landwirtschaft weltweit der Hauptverursacher für den Lebensraumverlust und das Artensterben. Die Fläche der blütenreichen Trockenwiesen ging seit 1900 um 95 % zurück. 

 

Der Dokumentarfilm „More Than Honey“ zeigt z.B. sehr eindrücklich, was alles zum Bienensterben führt. http://www.morethanhoney.senator.de/

Bienenfreundlich einkaufen ist kinderleicht!

Auch wenn wir selber keine Nahrungsmittel produzieren, nehmen wir durch unseren Einkauf Einfluss auf die Lebensmittelproduktion. Darum können wir als Konsumenten und Verbraucher viel gegen das Artensterben tun. Indem wir die richtigen Produkte kaufen fördern wir eine umweltfreundliche, artenreiche Landwirtschaft im In- und Ausland. Somit können wir durch unseren Einkauf täglich über das Wohl von Bienen entscheiden.

Es gibt viele einfache Maßnahmen deinen Einkaufswagen Bienenfreundlich zu gestalten. Schütze Insekten, Vögel und Co., indem du:

1. ... Bio-Produkte kaufst!

Bio-Produkte werden weitestgehend ohne gefährliche Pestizide und Dünger angebaut. Darum ist es – für die Bienen, aber auch für unsere Gesundheit – am sichersten, Bio-Produkte zu kaufen.

Dass eine Landwirtschaft ohne Gift möglich ist, beweist der ökologische Landbau seit Jahrzehnten.

2. ... öfter mal Vegan isst!

Mit einer veganen Ernährung reduziert man seinen ökologischen Fußabdruck in Punkto Ernährung auf ein Minimum und schützt die Tiere – inklusive Insekten – maximal.

Der Grund: Der Anbau pflanzlicher Lebensmittel beansprucht deutlich weniger Ackerfläche, denn für Tierprodukte müssen zunächst Futtermittel angebaut werden, die bei der Verstoffwechslung überwiegend zu Wärme und Gülle umgewandelt werden.

Einer neuen OXFORD-Studie zufolge gibt es für den Schutz der Umwelt nichts effektiveres, als weniger Tierprodukte zu konsumieren.

Der Dokukumentarfilm „Cowspiracy“ behandelt den Einfluss der Viehwirtschaft auf die Umwelt. https://www.cowspiracy.com/

Pestizide

Pestizide sollen eigentlich nur die Ernte schützen und die Arbeit des Bauern erleichtern – tatsächlich richten sie aber in der Umwelt großen Schaden an. Die Chemikalien belasten die Böden, machen sie unfruchtbar und zerstören die Artenvielfalt rund ums Feld. Insekten-, Vögel- und Kleintierbestände gehen seit Jahren zurück, weil sie von den Chemikalien vergiftet werden und die Nahrungskette unterbrochen wird. Auch Wildpflanzen und Kräuter werden abgetötet.

Von Bienen gesammelte Pollen kann hohe Mengen verschiedenster Pestizidrückstände aufweisen. Füttern sie den Nachwuchs mit belasteten Pollen und Nektar, entwickeln sich die Jungen oftmals nicht mehr richtig und es kann zu Missbildungen kommen. Das Gift kann auch zur Unfruchtbarkeit führen, die Lebensspanne verkürzen oder die Bienen orientierungslos machen. Viele Bienen finden nach ihren Sammelflügen deshalb nicht mehr zu ihrem Nest zurück.

Dies ist besonders für Wildbienen problematisch. Sie leben meist nur wenige Wochen, in denen sie in kurzer Zeit viele Nester anlegen und verproviantieren müssen. Findet die Biene nicht mehr zu ihren Nestern zurück oder ist so geschwächt, dass sie nicht genug Pollen sammeln kann, kann eine ganze Bienengeneration verloren gehen. Gleiches gilt für die geschädigte Larvenentwicklung.

Der potenzielle Schaden dieser Pestizide übersteigt jeglichen angenommenen Nutzen einer gesteigerten landwirtschaftlichen Produktivität durch Schädlingsregulierung weit.

 

Wie das Insektensterben mit Tierprodukten zusammenhängt

Hauptursache für den Biodiversitätsverlust ist die industrielle Landwirtschaft. Generell hat die Industrialisierung der Landwirtschaft zu erheblichen Verlusten an Flora und Fauna zahlreicher Feld- und Offenlandarten geführt. Die Arten- und Biotopvielfalt schwindet seit Jahren immer schneller.

Dabei sind Tierprodukte eine wesentliche Treibkraft hinter dem Insekten- und Artensterben.

Der Grund: Durch die große Nachfrage nach tierischen Produkten wachsen auf vielen Böden heute Futterpflanzen für Nutztiere statt Nahrungsmittel für Menschen. Die Produktion von Tierprodukten erfordert deutlich mehr Landfläche als die Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel; und zwar um den Faktor 10 bis 15!

Weltweit verbrauchen Fleisch- und Milchprodukte 83 % des Ackerlandes, decken aber nur 18 % unseres Kalorienbedarfs.

 

Große Monokulturen:

Diese sind aus Sicht der Bienen ökologische Wüsten, die das Nahrungsangebot und den Lebensraum der Bienen einschränken.
Bienen benötigen ein stabiles und abwechslungsreiches Blütenangebot von Frühjahr bis Herbst. Monokulturen bieten jedoch maximal eine einzige Blütenart über einen begrenzten Zeitraum. Viele Bienen können in dieser monotonen Landschaft nicht genug Nahrung für sich und ihre Nachkommen finden. Dazu kommt die schädliche Wirkung der auf diesen Monokulturen verwendeten Pestizide, wie oben beschrieben. Herbizide verringern zudem die Vielfalt von Wildpflanzen in landwirtschaftlichen Betrieben und ihrer Umgebung.

Schädliche Methoden der Bodenbearbeitung vernichten regelmäßig die Nester bodennistender Wildbienen.

Umbruch von Grünland

 

Immer mehr Wiesen werden in Äcker umgewandelt – insbesondere aufgrund einer größeren Biomasseproduktion für Massentierhaltung.

Von der landwirtschaftlich genutzten Flächen Deutschlands werden 58% für die Futtermittelproduktion verwendet (nur 13% für Energiepflanzen).

62% des Maisanbaus wird für Viehfutter verwendet.

Intensivgrünland

 

Das bleibende Grünland sind häufig intensiv genutzte nährstoffreiche und artenarme Fett­wie­sen. Diese Wiesen und Weiden werden heute zumeist intensiv mit Gülle gedüngt. Der hohe Nähr­stoff­ge­halt des Bo­dens sorgt für ein ra­sches Wachstum ei­ni­ger we­ni­ger Arten wie Ray­gras oder Lö­wen­zahn, welche stark do­mi­nie­ren und das Wachs­tum an­de­rer Arten un­ter­drü­cken. Je stär­ker eine Wiese ge­düngt wird, desto we­ni­ger Arten kön­nen dort wach­sen. Für die Pro­duk­ti­on von Tier­fut­ter sind sie gut ge­eig­net, öko­lo­gisch je­doch sind sie von nur be­grenz­tem Wert, denn tierische Artenvielfalt braucht pflanzliche Artenvielfalt. Nicht nur die Gülle an sich, auch darin enthaltene Insektengifte (Rückstände vom Futter und an den Nutztieren eingesetzte Mittel) vermindern Artenreichtum.

Hinzu kommt, dass der Großteil dieser vorwiegend intensiv bewirtschafteten Flächen drei- bis sechsmal im Jahr gemäht und zu Viehfutter verarbeitet wird. So verarmt das Blütenangebot noch weiter, denn je früher und je häufiger Schnittmaßnahmen durchgeführt werden, desto weniger Pflanzen kommen zur Blüte und die Artenvielfalt nimmt ab. Außerdem werden durch die konventionelle Art des Mähens viele Tiere getötet, die in der Wiese leben. Darunter nicht nur Insekten, sondern auch Vögel, Rehkitze und andere Kleintiere.

Ebenso werden im Umfeld landwirtschaftlicher Betriebe Ackerrandstreifen, Feldränder, Hecken usw. entfernt, die eine Vielfalt an Pflanzen beheimaten und außerdem einen wichtigen Erosions- und Gewässerschutz darstellen.

Überdüngung

Auch wenn die Tierproduktion einen anderen Zweck verfolgt, produziert sie doch in erster Linie eines: Gülle!

Die hiesigen Gülle-Überschüsse mit all ihren Medikamentenrückständen und Krankheitserregern müssen wiederum entsorgt werden, was zur Überdüngung betriebseigener Flächen führt. Da meist nicht genug eigene Flächen vorhanden sind, müssen noch weitere Felder und Wiesen dazu gepachtet werden. Überdüngte Wiesen weisen wiederum eine geringere Artenvielfalt auf.

Pflanzen, die nährstoffarme Standorte bevorzugen, werden verdrängt. Doch gerade diese Pflanzen sind wichtige Nahrungsquellen für viele Wildbienenarten.
Die Gülle wird dabei meist nicht zum Zweck der Nährstoffzufuhr ausgebracht (zu diesem Zweck wird Kunstdünger bevorzugt), sondern ist ein Abfallprodukt der Nutztierhaltung. Dieses Abfallprodukt wird meist auf Wiesen und Feldern entsorgt.

Das Ammoniak aus der Landwirtschaft wird über die Luft über weite Strecken verbreitet und beeinträchtigt somit zusätzlich nicht nur den Lebensraum, sondern auch die Nahrungsquellen der Insekten.

Zudem zerstört die Nitratbelastung des Wassers durch Dünger aus der Landwirtschaft Ökosysteme in Seen und Fließgewässern. Das führt letztendlich zu sauerstoffarmen Bereichen in der Nord- und Ostsee – sogenannten Todeszonen.

 
 
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